Mittwoch, 14. März 2012

Wie man Sembei und eine Shintô-zeremonie macht... (und andere Geschichten)

Oh mann, kaum hat man den alten Blog fertig geschrieben gibt es schon wieder so viel Neues zu berichten. Hach, ich lebe aber auch vielleicht in einem busy Dörfchen... ;-)

Dann fange ich ganz schnell mal mit dem Freitag, den 17.2 an. An diesem Abend kam ein wohl namhafter DJ in einen kleinen Club in Nagano. Ein paar japanische Freunde luden mich ein, doch mit ihnen dort hin zu gehen. Wir machten uns dann abends zu dritt auf den Weg, Kaori, Yuki und ich. Kaori fuhr mit dem Auto. Allerdings musste sie schon um 2 Uhr wieder gehen, doch das war mir etwas zu früh. Die Stimmung war ganz gut und "außerdem fährt der erste Zug zurück ja schon um 5 Uhr" (so dachte ich jedenfalls...).
Um zwanzig nach vier war die Party schon zu Ende und Yuki (der netterweise mit mir dort geblieben war) und ich machten uns auf den Weg Richtung Bahnhof. Noch eine halbe Stunde bis 5. Wir holten uns eine Kleinigkeit bei Mc Donald (da durften wir uns natürlich nicht reinsetzen, nur noch Take-out! Nicht so nett...) und wollten gerade den Eingang um Zug hinunterlaufen. Doch ein Eisengitter hielt uns auf. Darüber die Tafel mit den Abfahrzeiten des Zuges: erster Zug um 6.25 Uhr... Okay... halb sieben... gut. Also hatten wir noch gut zwei Stunden Zeit. Glücklicherweise schneite es nicht, sonst wäre es ja noch kälter gewesen... Erste Idee: Karaoke. Die Karaokebars sagten aber: Nur bis 5. Hm, also auch keine Lösung. Doch da wir ja hier in Japan sind und es hier komische Menschen sowie dazugehörige Geschäfte gibt (zum Glück!), gingen wir in einen nahegelegenen Internetladen. Aber nicht irgendein Internetladen. Dort konnte man sich entweder einen Stuhl, oder gleich eine ganze Box mit Computer und Pipapo mieten (auch gar nicht so teuer - eine Stunde ca. 5 Euro). Und hier in dem Laden gibt es ja echt alles: Mangabücher bis zum Abwinken, einen Getränkeautomat, einen Massagestuhl (natürlich gleich ausprobiert) und Essen, das man sich kaufen kann. Falls man dort "wohnen" möchte, gibt es natürlich auch Duschen, eine kleine Küche (Toiletten auch - versteht sich ja von selbst) und ein Telefon. Es gibt wirklich Leute, die dort wohnen...Habe ich zumindest gehört... Also verbrachten wir die restlichen anderthalb Stunden in diesem Internetladen und schauten einen unglaublich doofen Film (irgendeinen Krimi/Action-Verschnitt), bevor es dann zurück nach Hause ging.
Blick von "unserer" Box aus

"Unsere" Box

Ein Teil des Internetladens
Und weil der Zug so lange braucht, waren wir erst um halb 8 Uhr morgens zu Hause. Also, ob ich das nochmal so mache, muss ich mir wirklich überlegen. Denn, so interessant auch so ein Internetdingens ist, so ganz unbedingt muss ich da nicht nochmal hin...

Am Dienstag, den 21.2 ging es mit Sarah und William nach Tôkyô. Wieder dorthin, wo wir auch letztes Mal waren, in der Nähe des Hybiya-Parks. Dorthin gingen wir aber diesmal nicht, sondern unser Weg führte direkt zum Kaiserpalast. Wir hatten ebenfalls super Glück mit dem Wetter, denn es war schon richtig warm und fast schon Frühling.
Allerdings kann man nur einmal im Jahr, und zwar am Geburtstag des Tennô, in den Kaiserpalast hineingehen. Und da an diesem Tag nicht der Geburtstag war, mussten wir uns mit der Außenanlage begnügen. Aber da diese auch sehr schön war, war das schon okay so.












Der Todesfall-zähler an der Kreuzung. Beim letzten Mal noch null, heute eine fette Eins... Das war schon irgendwie gruselig...
Als Sarah mit ihrem Meeting fertig war, sind wir in ein anderes Viertel von Tôkyô gefahren, um uns eine Sembei-Fabrik anzuschauen. Sembei sind Reiscracker, die es in den verschiedensten Variationen gibt. Und lecker sind die auch noch! Und zu sehen, wie die hergestellt werden war auch nochmal ziemlich interessant!
Das Sembei-Geschäft (die Fabrik war dahinter - wobei ich vielleicht erwähnen sollte, dass es eine wirklich kleine Winzfabrik war...)

William hatte natürlich gleich etwas was er haben wollte entdeckt...

...und mir dann auch gleich stolz präsentiert :-)

Suchbild: Wo ist die Tür zur Fabrik?


Die geheime Tür zur Fabrik (wir sind allerdings durch einen Seiteneingang am Gebäude reingegangen)


Der Chef der Fabrik (der Typ rechts mit dem Mundschutz) hat uns durch die Fabrik geführt und uns alles erklärt (natürlich habe ich nicht alles verstanden, wie immer halt...)




Hier wird ein Teil der Sembei in Öl frittiert (meine ich verstanden zu haben...)


Der Reis aus dem die Sembei gemacht sind

Der Mensch, der die Algen für die Sembei schneidet.

Hier werden die Sembei geröstet

...da gab es wirklich seeehr viele


Am Ende werden alle Teile zusammengefügt...

...und heraus kommt ein Sembei :-)



Als wir zurückfahren wollten, kam auf einmal ein älterer Mann zu mir (wie sich herausstellte der Vater des Chefs von der Sembei-Fabrik) und drückte mir eine mysteriöse Schachtel in die Hand. Ich schaute hinein und sah: KUCHEN! Das war wirklich super! Wer kriegt denn bitte einfach so Kuchen geschenkt? :-) Natürlich habe ich nicht alles alleine gegessen, sondern am Abend brav mit Sarah aufgeteilt und nur ein paar Stücke mit nach Hause genommen.

Alles in allem war es ein super Erlebnis mal hinter die Kulissen schauen zu können (und gratis Kostproben abzustauben ;-) ).
Später fuhren wir noch zum Custco (wir erinnern uns: der riiiiiesige Supermarkt, in dem es fast alles zu kaufen gibt was das Herz begehrt. Wir waren damals auf Fukuoka in einem.) und kauften ein. Wir kauften zwei ganze Wägen (im Custco sind die ziemlich groß), sodass wir beim Einräumen in das Auto schon fast Tetris spielen mussten, weil wir einfach zu viel hatten. Aber, geschickt wie wir sind, schafften wir das natürlich mit Links. Wir kamen abends, etwa gegen 21.30 Uhr, wieder in Obuse an. Ein langer Tag aber aufregender und abwechslungsreicher Tag ging zu Ende und ich war dann wirklich froh, in meinem Bett zu liegen!

Am Samstag, den 25.5 hatte Joe Geburtstag. Und weil ich so ein Backtalent bin (und weil mich Sarah darum indirekt gebeten hatte), backte ich einen Kuchen. Aber nicht irgendeinen einfachen Kuchen (nagut, ich muss zugeben, dass ich die Bisquitrolle einfach nicht hinbekommen habe...), sondern einen gesunden Karottenkuchen mit gaanz wenig Zucker. Lag auch daran, dass wir nicht mehr so viel Zucker hatten...
Herausgekommen ist ein ganz gut gelungener Kuchen, vor allem für das erste Mal backen, wie ich finde.
Yuki verzierte den Kuchen noch mit dem Schriftzug "Omedetou" was soviel heißt wie "Glückwunsch". Joe hat sich natürlich sehr gefreut, was mich wiederum sehr gefreut hat.

Nachdem wir (Sarah, Joe, Yuki und ich) den Kuchen gegessen hatten, wollten Yuki und ich eigentlich mit dem Fahrrad nach Suzaka (die Nachbarstadt von Obuse) fahren, doch es kam vorher noch ein bisschen anders. Als wir nämlich am Obuse-dô vorbeigingen, sahen wir, dass drinnen Kameras und etliche andere Sachen aufgebaut waren. Neugierig wie wir sind, schauten wir kurz rein und da kam uns auch schon Sarah entgegen (nach dem Kuchen essen verschwand diese nämlich wieder, weil sie noch Sachen auf der Arbeit erledigen musste. Um was es sich dabei handelte, wusste ich vorher natürlich nicht). Ich fragte sie, was sie denn hier machen und sie sagte, es handele sich um eine Shintô-zeremonie. Bevor ich auch noch ein Wort sagen konnte sagte sie: "Ach, mach doch mit!" und zog mich in den Raum. Neben den Kameras und den Fotografen waren fast alle Mitarbeiter des Obuse-dô versammelt (vor allem aber die hohen Tiere). Die Prozession lief folgendermaßen ab: Anfangs kam ein Priester sprach ein Gebet (oder mehrere, ich weiß nicht genau) und vollzog die Prozedur. Dann erklärte er den Anwesenden was zu tun war. Von ihm erhielten wie einen Zweig, den wir in einer bestimmten Reihenfolge in der Hand drehen mussten, bevor wir ihn auf den Altar platzierten. Zwischendrin ein paarmal Verbeugen, dann die Hände zweimal zusammenklatschen und schließlich in einer bestimmten Weise falten und dann beten. Das Ganze natürlich vor allen Anwesenden, vor den Kameras und überhaupt. Da war ich dann doch schon etwas aufgeregt... Als mein Name aufgerufen wurde (natürlich mal wieder total unerwartet) tat ich wie mir befohlen und vollzog die Prozedur, fehlerlos! Nur mein Klatschen war eher ein Patschen, aber im Endeffekt egal, denn ich hatte die Aufgabe ansonsten mit Bravour gemeistert! Puh, danach war ich richtig erleichtert. Meine erste Shintô-zeremonie und dann auch noch vor ganz vielen Leuten. Trotzdem bin ich froh, dass Sarah mir die Möglichkeit gegeben hat, daran teilzunehmen. Leider habe ich selbst keine Fotos von mir, während der Prozedur, aber danach habe ich wenigstens von der Location einige machen können. Wie ich später auf Nachfrage erfuhr, diente diese Zeremonie dazu, den Gott um ein weiteres Jahr Erfolg für die Sake-Brauerei zu bitten. Da habe ich mal wieder was gelernt!


Nach diesem spontanen Event fuhren wir dann trotzdem noch mit dem Rad nach Suzaka, um im Second-Hand-Shop dort einkaufen zu gehen (wieder mal erfolgreich, zumindest was mich betrifft :-) ). Das war ein wirklich unerwartet aufregender Tag!

Am Abend des 2.3, ein Freitag, fuhren Yuki und ich spontan mit einem Mietauto (warum wir eigentlich ein Mietauto hatten, erfahrt ihr später) nach Nagano ins Round 1, um Billiard zu spielen. Die Billiard-tische befanden sich im "Amusement"-Bereich. Doch natürlich stehen dort nicht nur Billiardtische herum, sondern neben diversen Spielautomaten gibt es noch allerlei Spielereien, wie zB einen mechanischen Bullen zum Reiten, Karaoke, eine Inliner-Bahn, Angeln, etc pp.
Das Erste was meine Aufmerksamkeit erregte war natürlich der Kinderbereich. Der war aber auch spaßig! Ich zeige euch einfach mal Fotos, denn das ist einfacher als das ganze Rumerzähle :-)
Der Kinderbereich: zum Glück waren um diese Uhrzeit keine Kinder mehr da, denn das wäre für die ja echt peinlich gewesen... ;-)

Das Ding hat sich gedreht und es war wirklich nicht leicht sich einmal drehen zu lassen. Zumal das Ding sich relativ langsam gedreht hat... Lustig wars trotzdem :-) Ach, und geschafft habe ich es übrigens auch!




Naja, was man hier machen konnte, sieht man ja :-)

Und weil ich immer getroffen habe, bastelte sich Yuki notgedrungen einen Helm aus einem Körbchen, das eigentlich zum Bällesammeln gedacht war.


Danach erstmal im Massagesessel entspannen!



Ein Poserbild muss auch sein ;-) Und dazu muss noch gesagt sein: Ich habe den Ball wirklich versenkt! Wuhu! ...trotzdem habe ich verloren :-O

Man konnte sogar Angeln...echte Fische...  das fand ich wiederum echt eklig und irgendwie gemein...

Spielautomaten wie im Gamecenter dürfen in einer Amusement-Abteilung natürlich auch nicht fehlen!

Das Spiel hier ist auch echt cool. Man muss den Tisch nach vorne  umschmeißen und  dabei möglichst viel zerschmettern, um zu gewinnen. So komische Sachen gibts hier... Trotzdem total lustig!
Leider war der Akku meiner Kamera dann leer, sodass ich keine weiteren Fotos mehr machen konnte... Darum noch kurz: Ich ritt noch den wilden Plastikbullen und ein Pferd in einem bescheuerten Pferderennspiel, fuhr Inliner, spielte Basketball, versuchte mich im Schießen und zum Schluß sangen wir noch ein wenig Karaoke. Ein sehr gelungener, spaßiger und vor allem spontaner Abend.

Das nächste Spannende, was ich zu erzählen habe, ereignete sich am nächsten Tag, dem 3.3.
Weil Yuki so gerne Snowboard fährt (und mich die letzten Wochenenden immer wieder damit genervt hat, wie unglaublich gerne er doch Snowboard fahren will), habe ich nachgegeben und wir sind mit dem Mietauto (nur deshalb hatten wir nämlich das Auto überhaupt gemietet) zu einem nahegelegenen Skiort gefahren. Und weil ich vorher noch nie Snowboard gefahren bin, war das schon eine etwas größere Sache für mich. Zuerst aßen wir eine Kleinigkeit in einem Imbiss, wo wir dann auch die Snowboards und meine Schneekleidung ausliehen.


Unser Imbiss -Schrägstrich- Ausleihladen

Doch erstmal eine kleine Stärkung, ich: Soba, Yuki: Curryreis
Das Dessert: ein seehr leckerer Crepe mit Milcheis 
Im Umkleidungszimmer: Die Puppen für das Hina-Matsuri oder auch Mädchenfest, das an diesem Tag gefeiert wurde.


Juhu! Ich mit Snowboard

Wir mit Snowboards :-)
Und auch das Wetter hat teilweise mitgespielt :-)
An sich hat das Snowboarden Spaß gemacht, aber es war natürlich auch sehr anstrengend. Und für das erste Mal habe ich das wohl auch sehr gut gemacht. Zumindest hat das Yuki gesagt (wie ehrlich er dabei war, weiß ich natürlich auch nicht ;-) ). Netterweise gab er mir sogar ein bisschen Snowboard-Unterricht. Als ich dann eine Pause machte, fuhr er dann ein paar Mal den wirklich hohen Berg hinunter. Ich blieb aber lieber auf dem Anfängerberg, von dem auch die kleinen Kindern mit ihren Schlitten runterfuhren...
Nachmittags, auf dem Rückeweg dann, gingen wir noch schnell in einen Onsen. Es war wirklich entspannend, so durchgefrohren in einen heißen Onsen zu steigen und sich zu entspannen. Weil ich die Einzige im Frauenonsen war, konnte ich nach dem Bad auch noch ein paar Fotos schießen, sodass ihr mal seht, wie es in einem Onsen ungefähr aussieht :-) (Als Yuki die Fotos gesehen hat, sagte er mir ganz entrüstet, dass im Männeronsen nur ein Becken war, und nicht zwei, und es bei Weitem nicht so sauber war! Dasselbe hat mir Tobi nach unserem Onsengang auch erzählt und jetzt glaube ich einfach, dass Frauenonsen viel schöner sind als die Männeronsen... Da hab ich aber nochmal Glück gehabt ;-) )




Das Gebäude rechts hinten ist der Onsen in dem wir waren. Man sieht es schlecht, aber man kann es vielleicht erahnen...
Unser Mietauto muss natürlich auch noch mal fotografiert werden :-)
Leider hatten wir nicht mehr soviel Zeit, denn abends war Zeit für Obusession! Wir schafften es aber noch rechtzeitig zum Vortrag. Diesmal war ein Designer zu Gast, der aus japanischen Regenschirmen Lampen baut. Das war sehr interessant, auch wenn ich mal wieder nicht alles verstanden habe.


Danach natürlich wieder ab in die Bar. Diesmal waren aber  wirklich viele Leute da, deshalb auch das Foto. So viele waren nämlich noch nie da. Ich lernte auch eine Pianistin kennen, die hoffentlich auch nächste Mal kommt, wenn mein Papa auch da ist. Dann können sie sich austauschen :-)

Rechts: Lisa, Links: Kaori. Lisa ist Williams "Summer-Nanny", halb Japanerin, halb Engländerin. Sie wohnt jetzt für ein Jahr hier (zumindest hat sie es vor) und arbeitet am Obuse-dô.
Die Obusession war natürlich wieder total cool, aber anscheinend war das ganze Wochenende ein bisschen anstrengend für mich, sodass ich am nächsten Tag mit Halsweh und Schnupfen im Bett lag. Ich gesundete aber auch wieder recht schnell und jetzt geht es mir wieder gut! Trotzdem hat das alles großen Spaß gemacht und wer weiß, vielleicht fahre ich demnächst wieder mal Snowboard :-)

Momentan habe ich auch deutschen Besuch von meiner Freundin und Kommilitonin Dominique (sie studiert derzeit in Kyôto, hat aber noch bis Ende März Semesterferien). Sie wohnt nun in meinem Zimmer und arbeitet als Helfer für Sarah und Joe. Und was wir so alles schon zusammen erlebt haben, das erfahrt ihr im nächsten Blog :-) Bis dann! またね!(^-^)

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