Sonntag, 19. Februar 2012

Neue Geschichten aus Obuse und anderen Gegenden

So, da melde ich mich wieder mal aus dem fernen Asien zurück :-)
Es wird wieder ein etwas längerer Blog werden... Habe in der Zwischenzeit nämlich wieder einiges erlebt, aber natürlich keine Zeit zum Schreiben gehabt.

Ich beginne erstmal mit unserem (inzwischen nicht mehr ganz so neuem) Familienmitglied, dem Goldenretriever Henry. Schon in der ersten Woche, in der ich wieder da war, schien er mich zu mögen und jetzt kann ich mit Sicherheit sagen, dass er es tut. Und ich mag ihn auch :-) Ich vermisse meine Hunde sehr, sodass ich es sehr schön finde auch hier einen pelzigen Gefährten zu haben.
Henry und ich gewöhnten uns schnell aneinander. Ein Ritual das wir bereits jetzt haben ist, wenn William schläft, uns auf den beheizten Teppich zu legen und ebenfalls einen kleinen Mittagsschlaf zu halten. Natürlich freut sich da besonders der Hund, weil er Streicheleinheiten bekommt :-) Auch der Tagesablauf hat sich ein wenig verändert, denn so spatzieren wir morgens meist zu dritt zum Kastanienbaumfeld in der Nähe (das gehört zu Sarahs Company, also ist es ok wenn wir dort sind) und schmeißen Bälle, denen Henry dann nachjagen kann.
Zur Zeit ist es hier nicht nur kalt (allerdings glaube ich, dass es hier wärmer als in Deutschland ist. Wie war das? Minus vierzehn Grad?!), sondern es liegt auch viel, viel Schnee. Hat man Hoffnungen auf ein bisschen Schneefrei, weil der Schnee fast ganz weggetaut ist, wird man meist durch einen erneuten Schneefall (meist über Nacht) enttäuscht und darf dann wieder durch den kniehohen Schnee stapfen. Aber ist halt mal ein richtiger Winter! So verwandelt sich Obuse über Nacht des Öfteren in ein wahres Schnee und Eisparadies.
















Am 14.1, einem Sonntag, rief ich Sarah an um zu fragen, ob ich denn zwei oder drei Tage im Februar Zeit bekommen könnte, da ich unbedingt zum Schneefest nach Sapporo gehen wollte. Sie sagte, es wäre kein Problem und verwies mich an eine Mitarbeiterin, die mir bei der Organisation und Planung helfen sollte. Gesagt, getan, alles war innerhalb zwei Stunden organisiert. Als ich den Rückweg nach Hause antrat fiel mir auf, dass ungewöhnlich viele Leute in Obuse unterwegs waren. Da war doch was faul... Wie sich herausstellte fand an diesem Tag das Yasuichimatsuri statt. Ein Fest, welches den Darumafiguren gewidmet ist.
Hier links im Bild: So sieht eine Darumafigur aus. Der Sinn oder Glaube dahinter: Wenn man einen Wunsch hat, malt man ein Auge aus (Linkshänder meistens das Linke und Rechtshänder das Rechte) und sobald sich der Wunsch erfüllt hat, malt man das zweite Auge aus. Die Darumafiguren, welche beide Augen haben, werden Anfang des nächsten Jahres (also am Yasuichimatsuri) verbrannt. Glücklicherweise kann man sich ja auf dem Fest wieder neue Figuren kaufen.
Jedenfalls war es sehr ungewohnt so viele Menschen in Obuse zu haben. Aber interessant war es auf jeden Fall. Endlich mal leben im Dorf :-)





Es gibt viele verschiedene Farben, jede steht für etwas. Rot allerdings ist die ultimative Farbe, die einfach für alles steht.

Hier das Feuer, in dem die Figuren verbrannt wurden


Schon irgendwie schade drum...


Aber einen kleinen musste ich mir dann doch noch kaufen. In rot natürlich :-)
Abends gab es dann (natürlich!) noch ein Feuerwerk, welches wir aber nur teilweise sahen. Es war einfach zu kalt um noch länger draußen stehen zu bleiben...




Das wars jetzt erstmal zu diesem Ereignis.



Kleiner Zwischenschub: Ich habe endlich Brot gefunden, dass dem deutschen ähnlich ist und nicht knatschig ist, oder in das Rosinen gebacken sind!! Juhu! Joe brachte es eines Tages mit nach Hause und erzählte mir, dass man das hier in der Ortsbäckerei kaufen könne. Yes! Endlich mal wieder was Richtiges zum kauen! :-)
Dort werde ich mir in Zukunft wohl bestimmt noch öfter ein "richtiges" Brot kaufen!




Nächstes Thema: Buisnesstrip. Am 20.1 fuhren wir, Sarah, William und ich nach Hirukami-onsen, einem Ort, der ungefähr zwei Stunden mit dem Auto entfernt liegt. Dort gibt es viele Onsen-hotels, was sehr vielversprechend klang. Wir blieben über Nacht in einem Ryokan-hotel (einem traditionellen japanischen Hotel, in dem es keine Betten, sondern Tatamiboden und Futons gibt), in dem auch Sarahs Rede stattfand. Als wir gegen Nachmittag dort ankamen wurde sie gleich von den Anzugherren in Beschlag genommen, sodass ich mit William alleine ein bisschen die Gegend erkundete. Leider war das Wetter nicht so toll, deshalb konnten wir keinen ausgieben Spatziergang unternehmen. Aber für einmal die Straße rauf und runter hat es gereicht :-)
Unser Zimmer. Wer sich jetzt fragt wo wir geschlafen haben: Die Futons liegen tagsüber zusammengefaltet in einem Schrank. Abends werden sie dann auf dem Tatami ausgebreitet, sodass man auf ihnen schlafen kann.

Aus dem Fenster hinausgeblickt


Am Wegesrand gefunden: Die Anne Frank Rose. Sachen gibts...



Unser Hotel

Vor unserem Hotel (und jedem anderen) so eine Strohpuppe. Ihr böses Gesicht soll Böses abhalten und sozusagen die Gäste des Hotels beschützen. Diese Angabe wie immer, ohne Gewähr :-)

Und noch eine schön dekorierte Empfangshalle
Sarah musste bis ungefähr halb 10 arbeiten. Abends gingen wir dann in den Hotelonsen (ein Freiluftonsen). Da ein Kleinkind nicht so lange im Onsen bleiben sollte, gingen die beiden auch recht schnell wieder zurück auf unser Zimmer. Für mich bedeutete das natürlich Entspannung pur. Ich hatte den ganzen Onsen für mich allein und konnte mich richtig gut von dem anstrengenden Tag erholen.
Am darauffolgenden Tag fuhren wir zurück nach Obuse.
Wieder im Watanabe Haus angekommen begrüßte ich erstmal Grace, eine Helferin aus Taiwan, die für 10 Tage meine Zimmergenossin sein sollte. Grace war letztes Jahr im Sommer schon für eine längere Zeit zum Arbeiten hier. Sie half mir damals mich zurechtzufinden, als ich neu in Obuse war. Am selben Tag gingen wir noch zusammen nach Nagano ein bisschen shoppen und abends dann kam Kaori vorbei und wir machten gemeinsam Sushi. Auch die Woche machte sehr viel Spaß, denn Grace konnte mich gelegentlich bei den Spatziergängen begleiten. Das war natürlich nicht nur umso spassiger, sondern mir auch eine große Hilfe, denn zwei Augen sehen bekanntlich besser als eines. :-)

DER Stuhl!
Am Sonntag, den 29.1, wagte ich den großen Schritt, vor dem ich mich so lange gedrückt hatte: Ich ging zum Frisör! Zuerst hatte ich ein bisschen Angst, dass mir die gute Frisörin mein gehassliebtes Haar vollends abeschneidet, doch diese Angst sollte sich als unbegründet erweisen. Ich ging zum i-saloon, einem Salon ganz hier in der Nähe in Obuse. Natürlich waren die Mitarbeiter völlig aus dem Häuschen, die Haare einer so berühmten Person schneiden zu dürfen. (Ja, hier im Dorf bin ich durchaus eine Berühmtheit. So hat es mir meine Frisörin jedenfalls geflüstert...) Das Beste am Frisörbesuch  war allerdings das Haarewaschen! Hier in Japan kennt man dieses blöde, kalte, harte Waschbecken, bei dem man immer sofort eine Genickstarre bekommt, nämlich nicht. Hier legt man sich auf einen Sessel, man wir in die richtige Position gefahren und kann dann eine laaaange Kopfmassage genießen.

Meine Friseurin und ich :-)
Das war wirklich sehr, sehr entspannend. So entspannend, dass ich fast eingeschlafen wäre. So etwas hätte ich dann doch auch gerne in Deutschland... Schlau wie ich bin, habe ich mich natürlich auch schon umgehört und herausgefunden, dass es in Frankfurt ebenfalls einen japanischen Frisör gibt, der die Prozedur der ausgiebigen Kopfmassage vollführt. Den werd ich bestimmt auch mal ausprobieren, wenn ich wieder da bin.Meine Friseurin war super nett und posierte am Ende sogar noch für ein gemeinsames Foto mit mir.
Das war mein erstes Friseurabenteuer in Japan, aber bestimmt nicht mein letztes!

Hier mal ein Foto von mir und Grace. Es war wirklich schön, dass sie hier war, auch wenn leider nur sehr kurz. Zum Abschied hatten wir Samstagabend noch ein Essen in Sarahs Haus arrangiert. Grace zauberte etwas leckeres Taiwanesisches. Sie kochte das Hühnchen, das eigentlich Bestandteil des Essens war sogar extra sepparat, damit ich von den Nudeln auch etwas essen konnte. Sehr lieb :)




Am 2.2 (Grace musste leider schon wieder zurück nach Taiwan) fand wieder eine Obusession statt. Diesmal war der Gast ein Ukyo-e Spezialist (Ukyo-e: bestimmtes Genre der japanischen Malerei und Druckkunst, u.A eben auch die Werke von Hokusai). Nach dem Vortrag stellte mich Sarah einigen wichtigen Leuten vor, wie dem zB dem Chef des Hokusai-Museums. So kann ich jetzt hoffentlich Connections knüpfen ;-)




"Airplaaane!" :-)
Bevor ich auf meine Reise nach Hokkaido antreten konnte, hieß es erst einmal: Buisnesstrip nach Fukuoka! Fukuoka, achtgrößte Stadt Japans, liegt auf der Insel Kyûshû, die die südlichste der japanischen Hauptinseln ist. Ganz früh am morgen, oder bessergesagt mitten in der Nacht (nämlich um 4 Uhr) des 7.2 ging es los. Wir fuhren mit dem Auto zum Flughafen Haneda und flogen von dort aus dann nach Kyûshû. William fand das Fliegen natürlich besonders toll, da er ein großer Flugzeug-fan ist. Stillsitzen war da also nicht wirklich und ich verbrachte den Flug zur größtem Teil damit mit William das Flugzeug zu erkunden. Um die Mittagszeit kamen wir dann am Fukuoker Flughafen an.

 Am Flughafen holten wir uns dann ein Mietauto und fuhren zu unserem Hotel. Dieses lag etwa eine halbe Stunde vom Flughafen entfernt und glücklicherweise genau an einer Shopping Mall. :-)

Der Ausblick aus unserem Hotelzimmer

Das mit Grünzeug überwucherte Gebäude ist ein Teil der Shoppingmall. Der andere Teil lag hinter dem Hotel
 Wir gingen erst zusammen eine Kleinigkeit Mittagessen, danach ging Sarah mit William zurück auf unser Zimmer, um einen Mittagsschlaf zu halten. Ich hatte somit Zeit, die Gegend ein wenig zu erkunden.
Die Shoppingmall hinter dem Hotel war ein sehr interessant gestaltetes Gebäude




Von Zeit zu Zeit gab es auch einige Wasser-Fontänen-Shows.  Diese hier war mit  einem Song von Michael Jackson unterlegt. Die Fontänen sprühten im Takt zur Melodie.
Damit ich aber nicht nur in einem Einkaufszentrum rumhing, wagte ich mich sogar auf die Straße und fand sogar einen kleinen Schreinbezirk. Juhu, Kultur! :-)














Leider war es wirklich eisig kalt, sodass ich bald wieder zurück ins Hotel ging. Gegen Abend gingen Sarah, William und ich dann auf die Suche nach einem geeigneten Restaurant. Wir entschieden uns für ein traditionelles japanisches und aßen dort Tempura und Udon. Sehr lecker!
Das Einkaufszentrumgebäude bei Dunkelheit
Am nächsten Tag, Mittwoch den 8.2, fuhren wir ins fast drei Stunden entfernte Sasebo, eine Stadt nahe Nagasaki. Weil es natürlich genau an diesem Tag "schneite" (nichts im Vergleich zu Obuse natürlich), und da dann in Kyûshû ähnlich wie in Deutschland gar nichts mehr geht, wurde der Highway größtenteils gesperrt, sodass wir durch die Dörfer gurken mussten. Das hat dann natürlich noch mal ein bisschen länger gedauert, aber im Endeffekt sind wir dann doch noch rechtzeitig angekommen. Sarah hatte abends um 18 Uhr eine Rede in dem Hotel, in dem wir übernachteten. Deshalb gingen wir vorher zu dritt noch schnell etwas essen und dann konnten William und ich die Gegend noch ein bisschen für uns erkunden.

Unser Hotelzimmer

Unser Ausblick

Der Fahrstuhl vom Hotel ermöglichte ebenfalls einen netten Ausblick

Eine Shoppingstraße, ähnlich der in Kyôto, die William und ich erkundeten


Glücklicherweise entdeckten wir ein Anpanman-Karusell, sehr zu Freuden Williams. Und weil er sich so gefreut hat, wollte ich mal nicht so knauserig sein und spendierte ihm eine Fahrt.


Viel Zeit zum erkunden hatten wir allerdings nicht mehr, denn bald schon war es acht Uhr abends und allzu spät wollte ich William auch nicht ins Bett schicken. Nach einem Bad versuchte ich mein Glück und siehe da, um halb zehn schlief er endlich tief und fest.

Am Tag darauf fuhren wir wieder nach Fukuoka zurück, diesmal in die Umgebung rund um den Hauptbahnhof Fukuokas. Die Kulisse dort erinnerte mich ein wenig an Tôkyô, denn hier gab es ebenfalls viele hohe Gebäude. Unser Hotel war wiedermal sehr günstig gelegen, man war direkt im Getümmel, sobald man aus der Hoteltüre trat.
















Viel Zeit zu Sarahs Geschäftstermin am Abend blieb allerdings nicht. So fuhren wir in einen nahegelegenen Custco (etwa mit dem deutschen Metro zu vergleichen), einem riesigen Supermarkt, in dem man eigentlich alles kaufen kann. Dort aßen wir etwas und Sarah kaufte ein paar Sachen. Es war wirklich unglaublich, was man da alles so kaufen konnte und vor allem in welchen Formaten. Es gab einfach alles und das auch noch in riesigen Packungen! Okay, das klingt jetzt vielleicht nicht sonderlich spannend, aber ich fand es interessant, da ich zum ersten Mal in so einem riesigen Laden war.
Danach fuhren wir wieder ins Hotel zurück, damit Sarah noch etwas Zeit hatte, um sich auf ihren Termin vorzubereiten. Wir verließen gemeinsam das Hotel und trennten uns dann auf halben Wege. William und ich liefen ein wenig herum, doch hier fanden wir leider kein Anpanman-Karussell oder ähnliches. Die ganze Gegend war eher weniger Kinderfreundlich, da es anstatt Spielplätzen eher Kaufhäuser, Karaokebars und Spielhallen gab.



Ein bisschen die Gegend erkundet, suchten wir alsbald einen Platz zum Essen. In einem Kaufhaus gab es eine Restaurant-Abteilung. Wir hatten die Wahl zwischen einem schnieken Italiener und einem urigen japanischen Restaurant. Ich entschied mich für das japanische Restaurant, denn mit William Essen zu gehen ist ganz und gar nicht schnieke und elegant... Und außerdem ist Tempura immer ein gutes Essen :-)
Da wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten, brachte ich William demenstsprechend früh ins Bett. Um halb neun schlummerte er schon friedlich und ich schaute noch einmal aus dem Fenster, bevor ich unser Gepäck für die Abreise vorbereitete.




Freitag dann, wir standen sehr früh auf, flogen wir wieder zurück zum Flughafen Haneda. Sarah hatte Nachmittags einen weiteren Geschäftstermin in einer Stadt, etwa anderthalb Stunden vom Flughafen entfernt. Leider konnte ich mir den Namen der Stadt nicht merken, also kann ich euch leider auch nicht sagen, wo ich genau war. Nach einem schnellen Mittagessen zu dritt, waren wir bald wieder zu zweit und erforschten mal wieder die Gegend. William war aber so müde, dass er nach einer kurzen Zeit im Kinderwagen einfach einschlief. Gut für mich, denn gerade in diesem Moment entdeckte ich eine Tempelanlage, die ich mir gerne angucken wollte. Mit einem schlafenden William ging das natürlich dann viel einfacher, als mit einem wachen ;-)














Das hier gehört natürlich nicht zu der Tempelanlage, die kleinen Vögel entdeckte ich auf dem Weg zum Bahnhof.
Gegen fünf Uhr dann war Sarahs Rede beendet und meine Arbeit ebenfalls getan. Sarah fuhr mich noch in die Nähe des Bahnhofs und wir verabschiedeten uns. Hier begann mein eigentliches Abenteuer: Schneefest in Sapporo. Die erste Herausforderung ließ natürlich nicht lange auf sich warten...
Doch davon erzähle ich in einem neuen Blog :-)

Bis dahin! またね!(^w^)/

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