Dienstag, 17. Juli 2012

Kyôto und ein Sternenfest im Yukata

Es gibt mal wieder Neues aus meiner zweiten Heimat zu berichten. Und damit das Ganze nicht zu lange wird, fange ich ohne große Umschweife einfach an zu erzählen :-)

In der Nacht des 28.6 auf den 29.6 um viertel vor vier Uhr morgens sollte das EM-Fußballspiel Deutschland gegen Italien stattfinden (in Deutschland natürlich zu einer humanen Zeit, nämlich 20.45 Uhr). Die letzten Deutschlandspiele hatte ich versucht irgendwie live mitzubekommen (so gut das eben ging), aber letzendlich lief es auf ein Internetradio hinaus, da kein Livestream zu funktionieren scheinte. Ich fühlte mich ein bisschen wie in den frühen Jahren, wo jeder wie gebannt vor dem Radio saß und  der aufgeregten Stimme des Moderators folgte. Hat auch was, aber wenn man es sehen kann ist es natürlich auch nicht schlecht. Mittlerweile soll es ja sowas wie Fernseher geben...
Durch Facebook erfuhr ich, dass in Kyôto sogar einige Bars die EM-Spiele live und in Farbe übertrugen. So beschloss ich Hals über Kopf und so super spontan wie ich bin, abends noch schnell mit dem Shinkansen nach Kyôto zu fahren, um mit Dominique und Daniel das Spiel zu schauen. Und da ich die nächsten Tage frei hatte, beschloss ich, einfach noch ein bisschen länger zu bleiben.
Daniel, Dominique, ich und ein Typ der gerade deutsch lernte und unbedingt mit dabei sein wollte. Er verschwand dann mysteriöser Weise irgendwann von der Bildfläche...
Den Ausgang des Spieles muss ich hier ja nicht nochmal breittreten, aber eine insgesamt coole Aktion war der Abend trotzdem.

Am nächsten Tag hatte Dominique Uni und musste etwas früher aufstehen. Daniel und ich holten sie dann später ab. Auf dem Weg lieh ich mir noch ein Fahrrad aus, denn damit ist man in Kyôto wirklich am schnellsten und bequemsten unterwegs.
Wir fuhren durch den Garten des Kaiserpalastes zur Einkaufspassage, wo wir uns ein wenig umschauten. Ich hielt Ausschau nach einem schönen Yukata, aber irgenwie fand ich keinen.



Das Fahrrad fand ich einfach nur cool. Das würde meiner Mama bestimmt auch gefallen ;-)
Weil wir von der letzten Nacht sehr müde waren fuhren wir zu einem späten Nickerchen nochmal in Dominiques und Daniels Wohnung, bevor wir uns dann für ein paar Stündchen in Kyôtos Nachtleben stürzten. Im Club fand ein "DJ-Battle" statt, bei dem 10 verschiedene DJs (plusminus, ich weiß nicht mehr genau...) für jeweils 15 Minuten auflegten und am Ende der Beste ausgezeichnet wurde. Doch irgendwie hatten es alle nicht drauf, die Lieder wiederholten sich und nach dem fünften Mal "I got a hangover" und "Sometimes I put my hands up in the air, singing eeeeoooh, baby lets go" (Alles momentan populäre Lieder, die aber alle gleich klingen und einem nach einer Weile tierisch auf die Nerven gehen...) wurde es etwas langweilig. Komischerweise gingen die Japaner bei jedem Lied total ab (egal wie oft das schon gespielt wurde), was die Schlußfolgerung aufkommen ließ: Wenn die das für eine gute Party halten, haben die noch nie eine wirklich gute Party erlebt... In Deutschland wäre die Tanzfläche aus Protest bestimmt schon längst leer gewesen! Und als es selbst "DJ Pleasure" nicht brachte, gingen wir. So haben wir leider den Sieger dieses Events nicht mehr miterleben dürfen, aber die Jury hat bestimmt den Richtigen unter diesen Schnarchnasen ausgewählt... Wir saßen dann noch eine Weile am Kamogwa Fluß, an der Stelle, an der wir auch Sylvester feierten, bevor wir dann nach Hause fuhren.

Am nächsten Tag, Samstag, den 30.6 unternahmen wir dann mal etwas kulturelles und fuhren zum Tôji Tempel, einem Weltkulturerbe. Dort befindet sich eine fünfstöckige Pagode, die mit 57 Metern die höchste in ganz Japan ist. Außerdem befinden sich in der Studienhalle des Tempels Buddhastatuen, die zu den gegenwärtig ältesten, die noch gut erhalten sind zählen.





Neben dem Tôji-Tempelgelände gab es noch ein paar weitere kleine Tempel, die wir uns anschauten.









Auf dem Rückweg kamen wir an Dominiques alter Wohnung (oder eher Zimmerchen) vorbei. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich ein riesiger Tempel, den ich mir gerne noch anschauen wollte.












Nachdem der kulturelle Teil abgehakt war, konnte ich die beiden noch überreden mit mir ins vegane "Restaurant" zu gehen. Ihr wisst schon - DAS vegane Restaurant, in dem ich mit Tobi und dann nochmal mit Inge, Papa und Alena war. Das "Restaurant" von der Muddi betrieben und der kleinen Katze, die dort wohnt. Und siehe da, nach anfänglicher Skepsis (so war es ja bei mir auch, muss ich zugeben) hat es Dominique und Daniel dann doch geschmeckt. Das sagten sie mir jedenfalls... ;-)
Am Abend dann verabschiedete ich mich, fuhr mit dem Bus zum Bahnhof und nahm den Nachtbus nach Obuse. Denn am nächsten Tag hieß es wieder babysitten. Diesmal ging aber alles glatt, der Nachtbus fuhr nicht ohne mich und ich konnte sogar ein bisschen schlafen (das konnte ich vorher noch nie!). So kam ich halbwegs ausgeruht zuhause an, wo die Vorbereitungen für den anstehenden Marathon schon auf Hochtouren liefen...

In der kommenden Woche fand ich endlich einen Yukata, der richtig zu mir passt! Dreimal dürft ihr raten, welche Farbe. Richtiiig: Rosa natürlich! Was denn sonst? Und Blumen! Total süß! Meine Kimonolehrerin war total begeistert und meinte der sei ja richtig "Leo". Wie für mich gemacht also. Guter Kauf :-)
Den will ich am 28.7 tragen, da findet hier in Obuse nämlich ein Fest statt. Da bin ich schonmal gespannt!

Am 7.7 fand nicht nur die Obusession statt, sondern auch das Sternenfest "Tanabata". Der Legende nach treffen sich in dieser Nacht zwei Sterne (die natürlich ein Liebespaar darstellen), die sonst das restliche Jahr durch die Milchstraße getrennt sind.
Es werden überall Bambussträucher aufgestellt, an dem ein jeder einen Zettel mit seinem Wunsch aufhängt, der dann hoffentlich auch erfüllt wird.
Nicht nur dadurch war die heutige Obusession etwas besonderes, denn ich konnte zum ersten Mal einen Yukata in der Öffentlichkeit tragen. Lisa, ich und ein paar andere Mädchen trafen uns vorher im Haus unserer Lehrerin, die uns dann beim Anziehen halt. Der Yukata sollte natürlich perfekt sitzen. Ich trug den blauen Yukata, den mit die Eltern einer japanischen Freundin meines Vaters geschenkt hatten. Ach, und außerdem war der Gastredner des Abends ein sehr, sehr bekannter Designer namens Kengo Kuma, also eine kleine Berühmtheit, weshalb um die 120 Zuhörer erschienen.
Seinem Vortrag konnte ich entnehmen, dass er von einem deutschen Architekt, Bruno Taut inspiriert wird und ein versucht seine Arbeit Brunos Design nachzuempfinden. (Taut wurde übrigens in Königsberg geboren, das gar nicht weit von Frankfurt weg ist)
Auch Sarah trug einen Yukata

Ein von Kengo-san designter Starbucks in Fukuoka

Danach taten wir was die Tradition verlangt: wir schrieben einen Zettel mit Wünschen, zündeten ein kleines Feuerwerk und hingen unseren Wunsch an einen Bambus. Danach ging es dann auf die Dinner-party, die ein jede Obusession beinhaltet.




Kaori und ich. Ich finde, wir machen schon eine gute Figur ;-)
Der Abend war sehr schön. Nicht nur, dass ich (natürlich) viele Komplimente bekam, wegen meines Yukatas, ich lernte auch viele nette Menschen kennen. Und zum Abschluß gab es noch einen Happen der weltbesten Schokolade in der Oni-bar. :-)

Am 10.7 war Sarahs Geburtstag. Da sie den ganzen Tag unterwegs war hatte ich Zeit einen Kuchen zu backen. Da ihr der Maulwurfkuchen an meinem Geburtstag so gut schmeckte, bug ich genau diesen. Ich hatte aus Deutschland ein paar Fertigmischungen mitgebacht. Am Abend bereitete ich dann noch ein Dinner für Familie und Arbeitskollegen vor und so hatten wir eine nette kleine Geburtstagsfeier.
William half natürlich beim Geburtstagstortenkerzenauspusten :-)

Die Woche drauf ging der Stress erst richtig los... Denn: der Obuse Minimarathon stand unmittelbar bevor! Bis zum 15. war es nun nicht mehr weit. Das hieß: organisieren, vorbeireiten und und und...
Die Stadt wurde von lästigen Graffiti befreit ...

...und ich bastelte 600 Anhänger...



Und als es endlich soweit war... 
hm, ich stelle gerade fest, dass ich sehr, sehr viele Fotos gemacht habe, denn das ganze Event war wirklich klasse. Deswegen schließe ich diesen Blog mit einem Cliffhanger (es geht spannend weiter, Leute!) und sage Tschüß, bis zum nächsten Mal! またね!(^0^)/