Die Zeit vor dem wichtigen Besuch verbrachte ich natürlich mit arbeiten, essen, schlafen und damit, den 100 Yen Shop aufzukaufen. Der 100 Yen-shop befindet sich in Nakano, dem Nachbarort mit dem Auto etwa zehn Minuten entfernt, und ist einfach toll. Es gibt dort einfach alles was das Herz begehrt: von Haushaltskram über Bastelsachen, sogar Kosmetik und Dinge, die man eigentlich nicht braucht (wie zum Beispiel Schuhe und Socken für Tiere sowie Stühle), aber die aber trotzdem einfach süß sind (und nur 100 Yen kosten!). Nebenbei bemerkt: 100 Yen sind etwas weniger als ein Euro. Also ein japanischer 1 Euro-shop. Allerdings nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen, die es vor einigen Jahren gab (oder teilweise noch gibt). Hier wird kein Ramsch verkauft, der nach einer Stunde kaputt geht, hier gibt es wirklich brauchbare Sachen. Unter Anderem kaufte ich mir hier Notizbücher, Schreibutensilien, Stiftehalter, Verstauboxen mit Erdbeermuster und noch einiges mehr (das wäre allerdings zu viel um das hier aufzulisten). Und ich muss sagen: Die Qualität der gekauften Sachen ist echt super! Wiegesagt: Nicht mit dem blöden Quatsch der deuschen 1 Euro-Läden zu vergleichen. Schräg gegenüber des 100 Yen-shops befindet sich ein Second Hand-shop, in dem man Klamotten, Schuhe und Taschen kaufen kann. Und der ist ebenfalls nicht mit deutschen Second Hand-shops zu vergleichen! Als mir Angelika, meine Vorgängerin, von den tollen Second Hand-shops erzählte, dachte ich mir insgeheim: "Klar, als ob ich da hin gehen würde." Denn in meinem Kopf tat sich das Bild eines kleinen, muffeligen und veranzten Ladens auf, in dem man die Sachen eigentlich noch nicht mal mit einer Kneifzange anfassen, geschweige denn tragen würde. So meist in Deutschland (ich lasse mich aber gerne des Besseren belehren. Zeigt mir einfach, wenn ich zurück bin, bitte einen vergleichbaren Laden!). Dieser hier ist aber auch einfach klasse! Hier gibt es eine unheimlich große Auswahl an super schicken Klamotten, sehr oft auch von namenhaften Marken. Hier deckte ich mich erstmal mit einem neuen Mantel, einem Rock, einem Sweat-zipper und einer Tasche ein (für umgerechnet nur ca.18 Euro!). Das zweite Mal, als ich den Laden besuchte (alledings nach dem namenhaften Besuch), fanden zwei Hosen und ein Jäckchen ihren Platz in meinem Kleiderschrank. Ich liebe diesen Laden!
Apropos Kleiderschrank: Ich beschloss nun, fest im Watanabe Haus einzuziehen und räumte meine Klamotten in den vorhandenen Kleiderschrank (Ich hatte auch einfach keine Lust mehr, wie ein Penner aus dem Koffer zu leben, da verknicken die Klamotten bloss immer nur und es gibt durch das ständige im-Koffer-gewühle immer nur Unordnung. Ich bin doch so ein ordentlicher Mensch. Diejenigen, die jetzt lachen müssen, dürfen dies natürlich tun ;-) ). Ich fühle mich im Watanabe Haus sehr wohl und habe momentan nicht das Bedürfnis in das Haus der Familie einzuziehen (Abstand hat ja auch was sehr Gutes. Ich sage nur: Ruhe! :-) ). Außerdem scheint dieses Vorhaben auch noch eine Weile zu dauern, da zur Zeit einiges renoviert und neugestaltet wird. Dies allerdings nicht nur in Sarahs und Joes Haus. Nachdem ich meine Klamotten in den Schrank verfrachtete, räumte ich mein Zimmer um. Dies tat auch Not, da mein Futon direkt vor dem Schrank plaziert war und ich so sehr schlecht an meine Klamotten gekommen wäre. Aber mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden: Ich fühle mich hier nun wirklich zu Hause! (Die Accessoires aus dem 100 Yen-Shop erleichtern den Wohlfühlfaktor nochmal um Einiges!)
So sieht mein Zimmer jetzt aus:
| Mein kleiner Schreibtisch (mit roter Erdbeerbox und Paket mit Schokoladenration aus Deutschland) |
| Zur Erinnerung: Mein Futon war dort, wo sich jetzt der Spiegel mit der Heizdecke (die ich einfach nur LIEBE!) befindet. |
Jetzt, da alles blitzblank und aufgeräumt war (ich rede von meinem Zimmer, nicht vom ganzen Haus), konnte der namenhafte Besuch anreisen. Dies tat er auch. Am Mittwoch, den 19.10 kam mich mein lieber Papa besuchen! Gemeinsam mit Yuki und William holte ich ihn gegen Mittag am Bahnhof von Obuse ab.
Zuerst legten wir eine kleine Rast im Watanabe Haus ein, aßen ein kleines Nutellabrot (jaaa, hier gibt es Nutella! Und dank Joe nun auch im Watanabe Haus!) und schwätzten ein bisschen. Natürlich immer mit eineinhalb Augen auf William, da der ja immer weiß Gott was anstellt. Im Erfinden zerstörerischer Handlungen er unschlagbar...
Nach der Rast ging es weiter zum Masuichi Kyukaden, dem großen Hotel in Obuse, das wirklich, wirklich teuer ist. Sarah ermöglichte es meinem Papa, dort unentgeldlich für zwei Nächte Unterschlupf zu finden. Aber ich muss sagen, ich weiß nun warum ein Zimmer im Hotel so teuer ist... Papas Zimmer war einfach der Wahnsinn...
| Der Eingang zum Zimmer ist natürlich nicht nur eine Tür, man muss erstmal eine Treppe hinauflaufen. Der erste Teil der Suite: Ein Clubzimmer. |
| Ein belesenes Clubzimmer. Ich frage mich, ob denn ein Gast mal tatsächlich einen Blick in eines der Bücher hineingeworfen hat.. Jedenfalls, durch die Tür hindurch... |
| ...gelangt man in einen kleinen Flur, auf dem sich das gläserne Bad befindet. Sehr schön, wenn auch nicht ganz privat. |
| Sogar die Badewanne ist aus Glas! Ich sage nur: viel Spaß beim Putzen und bemitleide Yuki innerlich, da er als Hotelangestellter arbeitet und dies eben auch zu seinen Aufgaben gehört.. |
| Den Gang weitergelaufen kommt man zum eigentlichen Schlafzimmer. Und damit der Papa ja genug Platz hat, gibt es natürlich zwei Betten. Für jede Nacht eines :-) |
| Und selbstverständlich gibt es auch noch einen Willkommenssnack, hergestellt der saisonalen Spezialität Obuses, den Kastanien. |
Doch zurück zu Mittwoch. Eine Weile die Suite bestaunt, machten wir uns auf dem Weg zu Sarah und Joes Haus, da es sich meinem Feierabend entgegen neigte. Auf dem Weg begegneten wir einer Marktfrau an ihrem Stand, die unbedingt Beethovens neunte Symphonie singen lernen möchte. Auf Deutsch natürlich. Und da sie ja nur Japanisch und Englisch (was für einen japanischen Menschen schon echt beachtenswert ist, da die meisten einfach kein Englisch sprechen können) spricht, brauchte sie natürlich Hilfe bei der Betonung der deutschen Sprache. Sie hatte mich auch vorher schonmal angesprochen, ob ich ihr denn nicht helfen könne, doch da auch nun noch mein Vater, dessen Job es u.A hier in Japan ist, Japanern bei der Betonung und Aussprache deutscher Lieder behilflich zu sein, da war, war ein "Nein" einfach nicht akzeptabel. Also verabredeten wir uns für halb 7 in ihrem Geschäft. Vorher brachten wir noch William nach Hause, aßen mit Joe zu Abend und stürzten uns dann ins "Abenteuer Aussprache". Die Frau war wirklich putzig. Sie hat sich sehr angestrengt und nach einer Stunde hatten wir ein gar nicht mal so schlechtes Ergebnis (im Vergleich zu vorher versteht sich). Zum Dank bekamen wir zwei Flaschen deutschen Weißwein geschenkt (Juhu!).
So ging Papas erster Tag in Obuse ereignisreich zu Ende. Denn hier in Obuse ist irgendwie immer was los, auch wenn es eigentlich nur ein kleines Dorf ist.
Aber das Interessanteste an der ganzen Sache ist, dass mein Vater vor etwa 3 Jahren schon einmal kurz in Obuse zu Besuch war. Damals mit seinem Kollegen, um sich das Hokusai Museum anzuschauen. Viel Zeit blieb damals nicht, es war wohl mehr Gehetze als gemütliches Sightseeing und auf dem Rückweg nach Matsumoto (etwa eine Stunde entfernt) gab es dann natürlich auch noch Stau. Doch, dass ich mal in Obuse leben würde, hat weder er noch ich damals gewusst. Aber verrückt, wie das Leben doch manchmal so spielt. Obuse scheint eine merkwürdige Anziehungskraft zu besitzen, die einem irgendwie gar nicht so bewusst ist...
Was mein besonderer Gast und ich in den folgenden Tagen so erlebt haben, das erzähle ich nächstes Mal, denn jetzt ist es einfach schon zu spät, um alles ausführlich zu berichten. Und es wäre ja schade, wenn ich das nicht täte, oder? :-)
Deswegen sage ich jetzt Gute Nacht, おやすみ und bis zum nächsten Mal! (^-^)y
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