Montag, 3. Oktober 2011

Undôkai oder Wie kriegen die die Kinder dazu, so etwas zu machen?

Samstag, 1.9:
Heute fand in einem Vorschulkindergarten in Obuse ein sogenannter Undôkai statt. Was das ist? Ein Undôkai ist ein Sportfest, bei dem die Kinder zeigen, was sie im Sportunterricht gelernt haben. Meist beinhaltet das Fest aber auch Vorführungen der hauseigenen Schulband. Doch nicht nur die Kinder, auch die Eltern werden eingeladen ("Nein" sagen gibt es hier nicht) mitzumachen.
So ging ich also mit William auf den Undôkai der 1 bis 5 jährigen Kinder. Ich hatte auch eigentlich nur vor zuzuschauen, doch als wir ankamen hieß es bereits "Minna-san", also alle, aufstellen, durch das Tor und los gehts! Ich war etwas verwirrt, aber natürlich machte ich mit. William an der Hand, neben anderen Müttern mit Kind an der Hand oder auf den Rücken bzw. um den Bauch gebunden (die teils schliefen und von dem Spektakel gar nichts mitbekamen) marschierte ich in den Ring. Mit Adleraugen beobachtete ich das Verhalten meiner Mitstreiterinnen, dass ich auch ja nichts falsch mache. Alle knieten sich hin, ich machte mit. Die Organisatorin erklärte und das Spiel, ich verstand nur "Tomodachi", Freund, und dachte mir "Hä?". Wir formierten uns in drei Reihen hintereinander (ich war natürlich in der ersten Reihe, war ja klar) und vor uns die gleiche Anzahl von Vorschulkindern. Das waren dann wohl die Tomodachi. Es machte peng und die Mütter neben mir in der ersten Reihe liefen los. Ich packte William an der Hand (So, als wüsste ich was ich tue) und lief ebenfalls los. Ich tat so, als würde William etwas langsamer laufen, damit ich sehen konnte, was zu tun war. Der Plan ging auf. Man sollte zu einem Vorschulkind laufen, der eigene Kind (in  diesem Fall William) bekam dann eine Medallie aus Papier umgehängt. Stimmt, genau das hatte die Frau ja auch gesagt. Hab ich ja alles verstanden. Also, nichts wie hin zum Tomodachi, Medallie umgehängt und bis zum anderen Ende des Platzes, wo man sich wieder hinhockte. Super gemacht, keiner hat gemerkt, dass ich absolut keinen Plan hatte (hoffe ich jedenfalls). Derselbe Ablauf der zwei Reihen hinter uns, Applaus und noch ein paar nette Worte der Organisatorin (ich gehe davon aus, dass es nette Worte waren. Es kam zumindest "Danke" darin vor.) und mit Musik wieder vom Platz abmarschieren. Puh, geschafft! Jetzt hatte ich auch mal Zeit mir den Platz genau anzuschauen.
Um den abgetrennten Bereich, auf dem vorgeführt wurde saß das Publikum (meist bestehend aus Eltern oder anderen Familienmitgliedern) und eine Stelle war für die vorführenden Kinder reserviert. Da saßen die Kleinen, je nach Alter mit verschieden farbigen Käppis gekennzeichnet unter Zelten, die sie vor der Sonne schützen sollten. Die sahen vielleicht niedlich aus!
William, von der Musik mitgerissen am tanzen gab mir Zeit um die ganzen Szenerien zu fotografieren und auch zu filmen.

Nach unserem grandiosen Auftritt kamen die Eltern mit ihren Kindern, die als Anpanman verkleidet waren, dran. Ich lasse einfach mal die Fotos sprechen, dann muss ich auch nicht so viel schreiben ;-)


Ich fand das total toll, dass auch die Eltern so integriert wurden. So ein Sportfest hätte ich mir früher auch mal gewünscht (ich hätte nämlich meine Eltern gerne mal beim Sporteln gesehen ;-)).
Das nächste Spiel: Zwei Mannchaften bestehend aus Eltern und Geschwistern...
...wer zuerst den Ball einmal hin und wieder zurück gereicht hat, gewinnt.
Nach diesem nervenaufreibendem Spiel, wurden die Kinder, die unter dem Zelt saßen in das Gebäude geleitet um einen kleinen Snack zu sich zu nehmen und kurz zu Pausieren.
Aaaah, sind die nicht einfach nur niedlich?
Es hingen sogar einige Teru teru bôzo herum. Teru teru bôzo sind Amulette gegen Regen und sollen gutes Wetter bringen. Auf dem Schild stand, dass es morgen doch bitte gutes Wetter geben soll (Bezogen auf den Tag des Undôkai). Hat gewirkt, kein Regen nur etwas bewölkt, aber zwischendurch Sonne und eine angenehme Temperatur. Danke Teru teru bôzo :-)
Nach der Pause ging es mit musikalischer Unterhaltung weiter: Die Trommlergruppe, die aus 5-jährigen bestand. Naja, was erwartet man von 5-jährigen? Dass sie ein bisschen bumm-bumm machen und gut ist. Aber was hier dargeboten wurde, war wirklich faszinierend und ich fragte mich: Wie bringen die die Kinder dazu, so etwas zu machen? Und dann auch noch fast perfekt?
Nicht nur, dass die wie ne eins in den Reihen standen...
...die marschierten und trommelten wie die Großen! (Man behalte im Kopf: die waren erst 5!)


Hier ein kleiner Video-Mitschnitt (ich entschuldige mich für die Wackler, aber ich hab natürlich, unprofessionell wie ich bin, kein Stativ dabeigehabt...):
Also Hut ab, muss ich da sagen!
Nach dem Trommelkonzert folgte eine Cheerleadervorführung der 4-jährigen. Mindestens genauso beeindruckend, wenn man das zarte Alter bedenkt, in dem sich die Kinder befinden.
Aber nicht nur die Kinder beeindruckten. Ein Spiel widmete sich ganz den lieben Großeltern der Kinder. Es wurden rote und weiße Bälle auf dem Boden verteilt und logischerweise zwei Mannschaften, die gegeneinander antraten. Ziel des Spiels: In 30 Sekunden soviele Bälle wie möglich (natürlich entweder rote oder weiße, je nachdem welche Gruppenzugehörigkeit) in eine Kiste zu befördern. Der Haken: die Kiste ist auf dem Rücken eines Menschen, der natürlich davonrennt. Das war wirklich lustig anzuschauen. Und ich muss sagen, wahnsinn wie fit die noch sind! Ich wäre bestimmt nach 2 Sekunden zusammengebrochen ;-)
Peng! Los gehts!
Die waren vielleicht schnell... So schnell werde ich bestimmt mein Lebtag nicht werden :-D
Nach beeindruckenden Performances und ein paar weiteren Spielen von Eltern und Kind (darunter ein wirklich lustiger Staffellauf) das große Finale: Tanz mit Pom-poms und gaaanz zum Schluß noch ein Lied von allen Kindern gesungen.

Applaus bitte!

Um 12 war das Ganze dann auch schon wieder vorbei, aber ich muss sagen, ich fand es total toll! Sowas hätte ich als Kind bestimmt auch gerne mitgemacht... oder auch nicht... Ich weiß ja nicht, wie sehr die Kinder getrietzt werden um die Performance so gut hinzukriegen, wie sie es hier gezeigt haben. Aber vielleicht liegt das auch einfach in den japanischen Genen, wer weiß? Spaß zuzuschauen hatte ich auf jeden Fall!
So, es ist schon spät, deswegen ein sportliches おやすみ, Gute Nacht, aus Japan! Bis bald (^-^)

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