Montag, 19. September 2011

Das Fuchsfest - Kitsune Matsuri

Als ich neulich so durch das idyllische Städtchen Obuse schlenderte, die Gegend betrachtete und die Ruhe genoss... Momentmal... Ruhe?! Da war doch irgendetwas faul. So ganz ruhig ist es hier ja nie, denn es zirpen immer irgendwo irgendwelche Zikaden. Doch, in diesem Augenblick wurde mir dies bewusst, herrschte Totenstille. Ich fragte meinen Mitbewohner, was es mit diesem Phänomen auf sich hatte und wo die Zikaden sind. Im Scherze sagte ich "Sind die alle tot?". Leider in vollem Ernst antwortete er: "Ja." Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, vielleicht schlafen sie lediglich alle. Das tun sie wohl auch... Allerdings etwas anders, als ich es mir gedacht hatte. "Aber, warum sind die denn auf einmal alle tot?", wollte ich wissen. "Der Sommer ist vorbei", war die Antwort. Dies war die traurige Erkenntnis des Tages. Denn obwohl ich Zikaden eklig finde und obwohl es hier im Sommer wirklich, wirklich heiß ist, ein so abruptes Ende habe ich mir ja dann doch nicht gewünscht. Vielleicht färben sich ja morgen die Blätter schon bunt, oder es fängt an zu schneien!
Am Tag darauf war es bereits wieder 32 Grad...

Sonntag, 18.09: Kitsune Matsuri きつね祭り
Bei diesem Sonntag handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Sonntag. Denn heute feierte der Ostteil des Städtchens Obuse (in diesem Teil lebt Sarah mit Familie) das Kitsune Matsuri, das Fuchs Fest. Das sollte was werden.
Es war ein sehr heißer Tag, doch es sollte noch heißer werden. Mir zumindest.
Gegen Mittag ging ich zu Sarah. Ich sollte mich schminken und anziehen lassen, hieß es. Ich wusste noch nicht genau, was das heißen sollte. Ich hatte nur irgendetwas von "Fuchs" und "Kimono" gehört. Sollte ich heute wirklich zum ersten Mal einen richtig, echten Kimono tragen dürfen?
Der kleine Fuchsschrein, unweit von Sarah und Joes Haus entfernt. Heute war alles mit roten Fahnen geschmückt.
In diesem Raum, im Haus links neben dem Schrein, konnte man sich schminken lassen.
Die Funktion dieses Wagens verstand ich erst später: Während der Parade wird auf Trommeln, die sich im Wagen befinden, Musik gemacht.


Bevor es ans Eingemachte ging, schaute ich mir noch das "Hauptfest" auf dem Ostparkplatz Obuses an.
Dieser Weg führt zum Ostparkplatz
Der Kern des Festes mit kleinen Buden, Essensständchen und einer Bühne
Ich schaute mir das kleine Festchen an und schmolz förmlich in der glühend heißen Sonne. Später kehrte ich zum Fuchsschrein zurück und überließ alles weitere den flinken Händen älterer Damen, die Ahnung von dem zu haben schienen, was sie taten.
"Einmal Fuchs Make-up, bitte!"
Juhu, fast fertig... dachte ich...
Als die Schminkerei vorüber war, bekam ich die Anweisung, hinter den weiß-roten Vorhang zu gehen. Gesagt, getan. Dahinter erwartete mich eine Stange voll von Kimonos und weitere geschäftige ältere Damen, die Frauen mit Kimonos bekleideten. Ich wartete eine Weile, bis eine ältere Frau frei wurde, nur damit sie sich anschließend über mich hermachten konnte.
Einen Kimono angezogen zu bekommen hört sich schöner an als es ist. Es wird an einem rumgezuppelt, rumgeschnürt und Lage für Lage draufgelegt (ungeachtet der sowieso schon weit über 30 Grad heißen Temperatur)
Aber William hat natürlich auch "geholfen" :-)
Nach gefühlten 5 Stunden war ich dann endlich mit einem Kimono bekleidet. Wie gut, dass mir nicht so schon heiß genug war, denn der Kimono war wirklich fluffig warm... Zu allem Übel sollte ich dann auch noch eine Plastikperücke (!) aufziehen. Igitt. Das fehlte noch. Damit wartete ich dann noch eine Weile, denn sonst wäre ich sicherlich sofort geschmolzen. Aber hier erstmal das (fast) fertige Ergebnis :-) (Juhu! Ich hatte einen richtig echten Kimono an!!!)
Mein Mitbewohner Hanashi-san und ich im Fuchs-look
So sieht eine waschechte Fuchsfamilie aus :-) (Das sind übrigens Sarah, Joe und William im kompletten Trio. Normalerweise natürlich ohne Fuch Make-up.)
Zurück auf dem Fest. Ist das nicht ein schöner Kimono? :-)
Wieder auf dem Fest, ich wusste noch nicht wirklich was jetzt so von mir als "Fuchs" erwartet wurde, war die Rede von einer Parade, in der auch ich mitlaufen sollte. Huch, okay, das kam etwas unerwartet, aber was solls, man lebt ja nur einmal. Klar machte ich da mit! :-)
Vorbereitungen für die anstehende Parade, in der ein Brautpaar das Highlight ist.
Doch erstmal hieß es eine Weile warten.
Der lustige "Peace-Fuchs" in der Mitte ist übrigens der Bräutigam
Dann ging es los: Die Parade-Mitläufer formierten sich und ich (völlig planlos natürlich) machte einfach mit.
Einfach dem Strom folgen, dann kann schon nichts schiefgehen
 Der erste Stopp folgte schon nach wenigen Metern auf dem Marktplatz Obuses. Dort erwarteten wir die "Fuchs-Braut".
Ich bin übrigens die ganz rechte Kimonoträgerin (diesmal in voller Montur mit Perücke... *schwitz*)
 Doch bevor die "Fuchs-Braut" gedenkt zu kommen, tanzten ein paar kleine, sehr hübsch zurecht gemachte Mädchen den "Fuchs-tanz". Dem konnte sich William nicht entreißen, und tanzte einfach mit. Das war schon sehr süß anzuschauen :-)

Dann endlich, kam die Braut. Wunderschön in traditionellem weißem Hochzeitskimono gekleidet und natürlich als Fuchs geschminkt. Erst standen sich Braut und Bräutigam gegenüber, begrüßten sich (das, was sie sagten klang fast wie ein Haiku) und ließen sich fotografieren. Nun stieg die Braut auf eine extra für sie vorbereitete Rikscha und die Parade setzte sich wieder in Bewegung.
Keiner konnte sich dem Bann des Brautpaares entziehen. Auch William und die kleinen tanzenden Fuchsmädchen nicht.
Das Fuchs-Brautpaar
So folgten wir der Rikscha der Braut, ungewiss wo das Ziel sein wird
Wir liefen erst einmal am Fuchsschrein vorbei, durch den kleinen Gang zurück Richtung Fest, doch dann bogen wir links ab, denn die Route der Parade schien weitaus länger anzudauern, als gedacht. (Und ich, immernoch mit Plastikperücke, konstant am schmelzen. Aber egal!) Wir legten einen zweiten Zwischenstopp ein, bekamen etwas zu trinken, die Fuchsmädchen tanzten abermals ihren Tanz (und auch diesmal konnte William nicht anders, als direkt davor mitzutanzen) und dann wurden die Kerzen in unseren Laternen angezündet, da es langsam dämmerte.
Auch kleine Miko waren dabei (Miko bedeuted ungefähr "spirituelles Medium". Miko leben meist in Tempeln und arbeiten auch dort. Diese hier waren allerdings kleine Mädchen, die als Miko verkleidet wurden)
Ich liebe diese Schleifen! Die sind wahnsinnig süß!
Hanashi-san, Scott und ich (Auch Hanashi und Scott liefen in der Parade mit)
Nach einem weiteren Fußmarsch, kamen wir schließlich wieder zum Fest. Dort wurden ein paar Verwandte des Brautpaares, die ebenfalls auf der Parade mitliefen, auf der Bühne interviewt und jeder musst mal in der typischen "Fuchspose" posieren. (Die kennt ja jeder!)
Die Braut wurde weiß angeleuchtet
Schließlich kam das Brautpaar selbst auf die Bühne
Die Braut zog sich während einer kurzen Pause um, und trug von da an einen sehr schönen roten Kimono
 Ich sah mir das Spektakel in aller Seelenruhe an und dachte an nichts Böses, als auf einmal alle meine Gleichgesinnten aufstanden (das habe ich natürlich auch gemacht, um bloß nicht auzufallen), Sakeflaschen entgegennahmen und dann ausströmten, um den Besuchern des Festes ein kleines Glas Sake anzubieten. Hui, das war aufregend. Aber ich zog das durch und hoffe inständig, dass ich nicht doch irgendwie arg negativ aufgefallen bin. Ich habe es aber, so glaube ich zumindest, ganz gut hinbekommen. Zumindest unter dem Gesichtspunkt, dass ich einfach von Nichts einen Plan hatte. (Hoffentlich hat man mir das nicht angesehen ;-) )
Als die Reden, Glückwunschaustausche und Glücksbringerübergabe an das Brautpaar auf der Bühne vorbei war, gingen wir zurück in das Haus neben dem Fuchsschrein, in dem wir auch umgezogen und geschminkt wurden, um uns wieder umzuziehen und abzuschminken (Ich war heilfroh, endlich diese ekelhafte Perücke abnehmen zu können und mich aus dem warmen Kimono zu pellen!) Anschließend fand ein großes Essen für die statt, die an der Parade teilgenommen haben. Juhu! :-)
Die Tische waren reichlich gedeckt und es gab noch reichlich mehr Alkohol. Es war sehr lustig, diesem Ereignis beizuwohnen. Ich war zuerst sehr aufgeregt, da ich ja keinen kannte und alles nur auf japanisch... ohje... Da war ich froh, dass mein Mitbewohner Hanashi-san dabei war, selbst wenn er auch kein Englisch kann. Meine Ängste waren allerdings unbegründet, alle waren sehr nett, mir wurde ständig etwas Neues zu trinken angeboten. Vorallem die älteren Männer waren sehr an mir interessiert. Oder vielleicht auch eher an dem Fakt, dass ich aus Deutschland komme, denn sie fragten mich vieles, Bier und Autos betreffend. Es hat auf jeden Fall super viel Spaß gemacht, auch wenn der Tag sehr anstrengend war.
So ein Matsuri ist doch was Feines! :-)
Mit diesen Worten verabschiede ich mich, denn ich muss jetzt unbedingt schlafen. Die Woche hat noch viel zu bieten. Ich sage nur: Kyoto ich komme :-)
Bis dann, Gute Nacht! おやすみなさい!(^0^)/

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