Donnerstag, 8. September 2011

Taifun und Tokyo

Da ich überhaupt keine Zeit hatte, in der vergangenen Woche einen Blog zu schreiben, muss ich jetzt leider einen kleinen Roman schreiben. Ich entschuldige mich schonmal im Voraus und versuche das nächste Mal regelmäßiger zu berichten (oder zumindest dann, wenn etwas Spannendes passiert). :-) Natürlich sind die Berichte chronologisch mit Datumsangabe und Titel geordnet. Zur besseren Orientierung natürlich.

Donnerstag bis Samstag (1.-3.9): Omiyage und ein Konzert
Ich erwähnte, dass eine Mitbewohnerin des Watanabe-Hauses am 27.8 wieder zurück in ihre Heimat nach Taiwan gegangen ist. (Wer sich nicht mehr dran erinnert--> nachzulesen im Eintrag vom 27.8). Doch bevor sie die endgültige Heimreise antrat, fuhr sie gemeinsam mit meiner "Japanischlehrerin" Kaori für ein paar Tage nach Ôsaka. Als Kaori diesen Donnerstag wiederkam (Kaori wohnt im Nachbarort von Obuse, in Nakano --> Nein, NICHT Nagano. Es gibt nämlich auch ein Nakano, mit k, und anderen Kanji! Ich bin also nicht doof und habe mich vertippt. Nur um diesem Missverständnis vorzubeugen ;-) ) besuchte sie uns im Watanabe Haus und brachte uns Omiyage mit. In Japan ist es üblich, seinen Freunden und/ oder Verwandten eine Spezialität bzw. ein spezielles ortstypisches Mitbringsel von der besuchten Stadt zu schenken. Meistens ist das was zu essen, es kann sich aber natürlich auch um Hello Kitty o.Ä handeln ;-)
Zusammen bekamen wir etwas leckeres zu essen (keine Ahnung was das war, aber es hat wie roher Plätzchenteig mit Füllung geschmeckt. Also echt lecker! Zu Weihnachten bitte einfach rohen Teig mit Füllung. Da spart man Strom und beugt eventuell verbrannten Plätzchen vor.)
Und weil ich so lieb und nett bin, bekam ich von Kaori und Grace (dem Mädchen aus Taiwan) ein extra Omiyage. Apropos Hello Kitty: das Geschenk von Grace war ein Hello Kitty Tuch. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn es stellte sich heraus, dass dieses Tuch wirklich praktisch ist. In Japan gibt es auf den öffentlichen Toiletten meist kein Papier oder einen Handtrockner zum anschließenden Händeabtrocken, weswegen eigentlich jeder (außer die unwissenden Ausländer natürlich. Und ich...) so ein kleines Tüchlein mit sich führt. Aus diesem Grund gibt es unzählige kleine, mittlere und große Tücher mit unglaublich vielen Motiven. Und da auch eigentlich jeder Hello Kitty mag (vorallem weibliche Personen, da kawaii (süüüüüüüüüüß!)), kann man damit gar nicht daneben liegen. Wiegesagt, mein erster Ausruf war: "Oh Gott, ist das kawaiiiii!". Wirklich süß! Von Kaori bekam ich eine kleine süße Schatulle (sehr japanisch verziert), in der ich jetzt meinen Schmuck aufbewahre. Auch sehr süß! Fand ich wirklich lieb von den beiden! :-)
Freitag war ein ganz unspektakulärer Tag. Gearbeitet, gegessen und geschlafen. Sollte ich vergessen haben, dass vielleicht doch was krasses passiert ist, trage ich das natürlich nach.

Samstag war der Auftakt zum Obuse Music Festival, das natürlich in Obuse stattfand. Eigentlich sollte sich das Auftaktkonzert auf einem Open Air Gelände etwas außerhalb abspielen, aber durch den andauernden Regen wurde das Ganze dann doch in die Mittelschule Obuses verlegt.
Gleich das Eintreten in die Halle war sehr interessant. Die Kartenabreisserin, eine etwas ältere Frau, fing gleich an mich strahlend mit "Welcome to Obuse! Where are you from? America?" zu begrüßen und streckte mir auf sehr europäische Weise ihre Hand entgegen. Um meine Verwirrung nicht allzu sehr zu zeigen, machte ich mit, schüttelte ihre Hand und sagte, dass ich aus Deutschland komme und Williams neue Babysitterin bin. Da war die Situation geklärt, sie strahlte mich weiterhin an und sprach dann auf japanisch weiter. Das fand ich schon sehr süß. Wer rechnet denn auch mit so einer Aufgeschlossenheit? Außerdem kann ich das Gerücht, dass der japanische Handdruck schlaff, leb- und kraftlos sei nicht bestätigen. Die Frau hatte vielleicht was drauf. Ich war froh, dass meine Hand nicht gebrochen war! Aber vielleicht bestätigen ja auch Ausnahmen die Regel...
Zurück zur Band, die an diesem Abend auftrat. Die bestand aus 5 älteren Männern (die ziemlich lustig aussahen) und die wirklich lustige Musik spielten. Am Besten gefiel mir das Lied atarashii jitensha (zu deutsch: Neues Fahrrad). Den Stil der Musik lässt sich schwer beschreiben, deswegen hier ein Stück, dass ich auf Youtube gefunden habe (leider nicht das Fahrradlied, aber dieses Stück heißt zu deutsch ungefähr soviel wie Sturztrunkenheit. Auch gut!). :-)
Ein leider nicht sehr gelungenes Foto der Bühne (weil dunkel und Kamera halb kaputt...)
Nach der Pause kam dann noch eine Sopransängerin dazu und die Musikrichtung wechselte schlagartig ins griechische. Bei den Zugaben tanzte sogar fast das ganze Publikum. Interessant und ein Erlebnis wars auf jeden Fall. :-)

Sonntag, der 4.9: Matsumoto statt Vergnügungspark
Dass Taifune nichts Gutes mit sich bringen, ist ja schon länger bekannt. Dass sie aber eine ganze Tagesplanung durcheinander wirbeln, musste ich schmerzlich am eigenen Leibe erfahren. Denn eigentlich war es ja geplant (und sehnlichst erwartet) gemeinsam in das Fuji-Q Highland zu gehen. Hierbei handelt es sich um einen Vergnügungspark, nahe am Fuji-san (wie der Name schon sagt), der die steilste Achterbahn der Welt beherbergt. Die wollte ich natürlich unbedingt fahren und freute mich schon wie ein kleines Kind. Am Morgen dann der Schlag ins Gesicht: wegen dem Taifun seien die meisten Attraktionen sowieso geschlossen (darunter natürlich auch DIE Achterbahn, welche auch sonst?), es würde sich also nicht lohnen den Park zu besuchen.
Das war natürlich hart, aber da wir ja alle schonmal auf waren (es war nebenbei bemerkt sieben Uhr morgens), beschlossen wir das Beste aus dem Tag zu machen und in die nur etwa eine Stunde entfernte Stadt Matsumoto zu fahren, um dort das berühmte Matsumotoer Schloß zu besichtigen. Gesagt, getan.
Der Vormittag war zum Glück noch etwas trockener als der Rest des Tages (aber keine Angst, so Taifunartig war es nicht, es hat einfach nur ziemlich viel geregnet. Wie ein deutscher Sommer halt.).
Als wir an der Burg ankamen, kam auch schon zielstrebig ein kleiner Japaner auf uns zu (um seinen Hals ein großen Zettel: "Volunteer Guide") und bot uns eine private Führung an. Mich fragte er gleich, ob denn lieber auf Englisch, ich sagte ihm aber, dass Japanisch schon in Ordnung wäre. Aber dass geht natürlich gar nicht, denn ich muss ja auch was verstehen. Also wiederholte er eigentlich alles, das ich sogar wirklich verstanden hatte nochmal extra (auf gar nicht so schlechtem) Englisch. Aber das, was ich wirklich nicht verstanden hatte, das habe ich bis heute noch nicht kapiert, denn das wurde erfolgreich unübersetzt gelassen. Aber egal, es war auf jeden Fall schön und informationsreich. Hier ein paar Bilder:
Der nette "Volunteer Guide" ließ uns natürlich nicht ohne ein Foto, auf dem wir alle drauf sind, gehen. :-)

Ausblick auf den Wassergraben

Im Inneren der Samurai-Festung

Das Fabelwesen, das in zweifacher Ausführung auf dem Dach der Burg thront. Ein Fisch mit dem Kopf eines Tigers. Das hier im Glaskasten ist das Original, auf den Dächern befinden sich Nachbauten)


Gut, dass die Treppen weder ungleichmäßig noch super steil waren... Ich frage mich, wie die Samurai das in voller Rüstung und in Eile geschafft haben, ohne sich ernsthaft zu verletzen... Obwohl, vielleicht haben sie sich ja wehgetan, wer weiss?

Die Fische mit den Tigerköpfen
 Nachdem wir die intensive Führung hinter uns hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Soba-Restaurant, da wir alle unglaublichen Hunger hatten. Wir wurden schnell fündig und schlürften jeder eine leckere Nudelsuppe.
Danach erkundeten wir ein bisschen die kleineren Gassen in Matsumoto.
Juhu! Ein "Leo-Haus"!
"Leo-Haus" in Katakana geschrieben

Eine Ghibli-Ausstellung im Matsumoto Museum. Da will ich unbedingt hin!!

Gullideckel in Matsumoto

Krasse Statue vor dem Museum


Und im Museumsshop: Eine goldene Harfe für Mama :-)
Vor dem Museum: Krasse Regenschirmhalter mit Schloß!

Yeah! Ein Vollkorn-Bäcker! Gleich rein...

...und ein "Vollkornbrötchen" gekauft! War aber ohne Rosinen (huch, wo gibts denn sowas?!) und sehr lecker.

Süßer kleiner Brunnen vor einem Geschäft

Und ein "Piano"-Geschäft für Papa. Zumindest lautete der Name des Geschäftes so.

Nebendran ein Waagengeschäft. Diese Waage erinnert mich doch sehr an Papa... ;-)



Interessante Frosch-statue




Leider konnten wir nicht noch mehr anschauen, denn Nachmittags um 17 Uhr fuhr mein Bus von Matsumoto aus nach Tokyo!
Tokyo war...
Ich habe eben auf die Uhr geschaut und mit Schrecken feststellen müssen, dass es schon halb 1 Uhr morgens ist. Und da ich morgen früh aufstehen muss, bin ich leider gezwungen für heute mit Schreiben aufzuhören. Mehr von meinem Abenteuer in Tokyo gibt es dann (vielleicht) morgen! :-)
Bis dahin, じゃあね (^.^)/

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